Dies ist eine alte Version des Dokuments!
Dr. Gerhard Stemberger, Wien
In den meisten Wahrnehmungssituationen geht es in mehr oder weniger ausgeprägter Weise nicht nur um die jeweilige Beschaffenheit der Wahrnehmungsgegenstände, mit denen die Person zu tun hat, sondern geht auch das Beobachter-Ich in das Wahrnehmen und Erleben mit ein – jedenfalls immer dann, wenn beim Hinwenden zum Gegenstand das Ich miterlebt wird.
Für diese Erlebnissituationen, mit denen wir es in der Psychotherapie in erster Linie zu tun haben, hat Wolfgang Metzger den Begriff des anschaulichen Gesamtfeldes geprägt: Das anschauliche Gesamtfeld schließt also das wahrnehmende und handelnde Subjekt ein (Metzger 2001, S. 194). Insofern kann man hier also umfassender von einem anschaulichen Gesamt-Erlebnisfeld im Sinne nicht nur eines Wahrnehmungsfeldes, sondern eines Wahrnehmungs- und Handlungsfeldes oder Aktionsfeldes sprechen.
Der Begriff des anschaulichen Gesamtfeldes ist mit Kurt Lewins psychologischem Konstrukt „Lebensraum“ zwar nicht deckungsgleich, aber insofern verwandt, als sowohl der Begriff des anschaulichen Gesamtfeldes als auch das Konstrukt des Lebensraums den Blick auf die enge dynamische Wechselbeziehung zwischen anschaulichem Ich und anschaulicher Umwelt in Wahrnehmung und Verhalten richten.